MPG

Noch immer weit von europäischen Dimensionen entfernt, so sorgen die hiesigen Benzinpreise doch für einiges Aufsehen. Seit Monaten ständig gestiegen, sind derzeit etwa $1.86 für eine Gallone Normalbenzin fällig. Kurz mal nachrechnen … beim momentanen Dollarkurs also 46 Eurocent pro Liter. Immer noch paradiesische Verhältnisse, sollte man meinen (^_^) – aber verglichen mit $1.60 noch vor einem Jahr dann doch ein rasanter Anstieg.

Die Autofahrer sind sich derweil nicht sicher, wem sie Vorwürfe machen sollen – der bösen Regierung, die unerhörte 49 Cent pro Gallone an Steuern kassiert, oder doch eher den gierigen Ölkonzernen. Auf die Idee, sparsamere Autos zu fahren, ist jedenfalls noch keiner gekommen …

National Anthem Project

Noch ein Nachtrag zum Thema „Hoffnungslos patriotisch“: Unlängst wurde von „Army-Wives“ in San Diego eine Initiative ins Leben gerufen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sämtliche amerikanischen Radiosender dazu zu bewegen, am 5. März um 11.00 EST die Nationalhymne zu spielen.

Das ganze Land ist aufgerufen, für zwei Minuten inne zu halten und mit zu singen – als Zeichen des Zusammenhalts und der Unterstützung für die Truppen im mittleren Osten.

Fragt sich bloß, welche Version und Interpreten der Hymne man für die Aktion nimmt … bei Jimmy Hendrix würde ich mir meine Teilnahme ja auch noch einmal überlegen (^_^)

Perfekte Überleitung zum Thema „Musiker“ und weitere Ergänzung: Nachdem den Preisträgern bei der Grammy-Verleihung vergangenes Wochenende „nahegelegt“ worden war, sich in ihren Dankesreden nicht gegen einen Irak-Krieg auszusprechen (soviel noch einmal zum Thema „Maulkorb“ in den Medien), haben sich zahlreiche amerikanische Musiker jetzt entschlossen, einfach ganzseitige Anzeigen in überregionalen Zeitungen zu kaufen, um ihre Meinung kundzutun!

Public Opinion

Um noch einmal Katharinas Beitrag, und die vielen interessanten Kommentare, zum Themenkomplex „Öffentliche Meinung, Irak-Krieg und Soldaten“ aufzugreifen … spätestens nach meinem gestrigen Gespräch mit unserer Vermieterin, die von ihrer Teilnahme an den letzten Anti-Kriegs-Demos in San Diego erzählt hat, finde ich schon, dass man unterscheiden sollte:

Die Haltung der US-Regierung, insbesondere George W. und der üblichen Verdächtigen im Verteidigungsministerium, entspricht nicht der Meinung einer Mehrheit der Bevölkerung. Von außen betrachtet ist das sicher schwerer auseinander zu halten (und mir geht es ja von hier aus bezüglich der deutschen Politik nicht viel anders), aber Tatsache ist, dass weit über zwei Drittel der Bürger in den USA gegen einen Alleingang Amerikas gegen Saddam Hussein sind. Auch ist die Zufriedenheit allgemein mit der Arbeit der Bush-Administration mittlerweile wieder auf den Wert vor 9/11 zurück gegangen – was bedeutet, dass weniger als die Hälfte ihrem Präsidenten etwas abgewinnen kann.

Die Medien allerdings halten zugegebenermaßen noch recht streng an ihrem selbst verordneten, patriotischen Maulkorb fest. Was das angeht, hat Katharina mit den offensichtlichen Schwierigkeiten im Anerkennen anderer Meinungen sicher recht. Auch das aber scheint sich langsam zu ändern: Als Beleg dafür kann die gleiche Radio-Station (und der gleiche Moderator!) herhalten, den Kasia schon zitiert hat: Gestern wurde in der Sendung gleichermaßen über Donald Rumsfeld hergezogen, nachdem der in einem Interview bezüglich der irakischen Ölreserven geäußert hatte, das sei natürlich ausschließlich „the oil of the Iraqi people“, und in keiner Weise für die USA interessant … Kommentar des Moderators: „Yeah! Sure!“

Von all dem aber in vieler Hinsicht losgelöst, das ist sehr auffällig und habe ich ja früher schon einmal angesprochen, ist das Ansehen des US-Militärs in der Bevölkerung. Für einen friedensbewegten Europäer schwer nachvollziehbar, scheint es hier nicht unüblich, Anti-War und doch Pro-Military zu sein. In einer Stadt wie San Diego, die eine große Zahl militärischer Einrichtungen und damit Familien mit Angehörigen in der Army hat, natürlich um so mehr. Es ist eine Selbstverständlichkeit, die Truppen moralisch zu unterstützen – schließlich sind das letztendlich einfach Ehemänner und -frauen, Väter, Mütter und Geschwister vieler Menschen hier. Die auch häufig nicht aus irgendwelchem Patriotismus oder gar Chauvinismus zur Armee gegangen sind, sondern weil das für die unteren Einkommensschichten praktisch die einzige Möglichkeit ist, eine Ausbildung zu finanzieren.

Mehr steckt in den meisten Fällen gar nicht dahinter, wenn man hier heftige Reaktionen damit provoziert, sich gegen das Militär zu äußern. Auf jeden Fall keine „Dolchstoß-Legende“, wie sie einige Medien vielleicht zu konstruieren versuchen!

"Duct and Cover!"

Passend zum allgemeinen Klima in den USA, hat das nagelneue „Department of Homeland Security“ vergangene Woche eine neue Webseite gestartet: Unter www.ready.gov findet der verängstigte Amerikaner jede Menge Tipps und Tricks, um im Falle eines Terrorangriffs am Leben zu bleiben. Wie zum Beispiel den schon berüchtigten Vorschlag, das Haus mit Klebeband und Plastikfolie gegen chemische Waffen zu schützen – was zu Hamsterkäufen von Duct-Tape geführt hat …

Allerdings sind nicht nur die Ratschläge (die alle bestenfalls die Sicherheitswirkung von „Duck and Cover“ besitzen), sondern vor allem die erläuternden Grafiken so einladend, dass sich bereits eine Reihe köstlicher Parodien breitgemacht hat.

Einfach mal als Links, anschauen lohnt sich in allen Fällen: hier, hier, hier, hier und hier.

Und passend dazu diverse T-Shirts und anderer Swag .

[Update] Wie Markus schon richtig bemerkt hatte, konnte man die Bilder noch nicht in Originalgröße anschauen. Das Javascript ist jetzt gefixt und sollte funktionieren …

Facelift

Falls es euch nicht aufgefallen sein sollte (^_^) … rowlff.de hat ein neues Design.

Hauptsächlich einfach zum Spaß, aber es gab auch ein paar Dinge, die ich einfach schon lange erledigen wollte: Die bisherige Version war mehr oder weniger zusammen gehackt – jetzt ist das gesamte Backend zur Datenbank vernünftig objektorientiert und kompakt programmiert. Dadurch konnte auch das Frontend einiges knapper werden und validiert jetzt außerdem als HTML 4.01 Transitional. Das gesamte Layout dabei per CSS ohne eine einzige Tabelle. Außerdem für Suchmaschinen (sprich: Google) optimiert, so dass rowlff.de perfekt unter den richtigen Begriffen indiziert werden kann. Die ganzen Seiten und Features, die laut Serverstatistik sowieso niemand genutzt hat (Comics, Original, …) sind verschwunden. Die Navigation ist straffer, ohne den künstlichen Unterschied zwischen den Kommentaren und den Bildern bei einem Eintrag. Außerdem geht es das erste Mal ohne Grün …

Für Kritik und Hinweise bin ich natürlich dankbar.

P.S. Das hübsche Bild stammt von Iconize Me!, einem sehr netten Service, der für ein paar Dollar aus einem Foto ein solches Icon zaubert – allerdings nur für den Mac. Wieder ein Grund mehr zum Switchen!

You’ve got Junk

Heute war es so weit: Nach über drei Monaten in den USA lag die erste Werbepost im Briefkasten, die direkt an mich adressiert war.

Der Nachname natürlich falsch geschrieben, aber leider auf nicht nachvollziehbare Art, so dass ich nicht sicher sein kann, wer meine Adresse weiter verkauft hat …

Comment:

[Gastkommentar von Katharina] Mir ist schon klar, dass eine Sache mindestens zwei verschiedene Seiten haben oder von solchen betrachtet werden kann. Heute jedoch als ich auf dem Weg ins Labor war, lief eine Radiosendung zu, die sich auch sonst mit Gedanken und Erlebnissen von normalen Menschen beschäftigt. Heute ging es grob gesagt darum, dass Frankreich nicht mit in den Krieg will. Das verursachte eine Lawine von bösen Bemerkungen (Going to war without France is like going hunting without an accordion – ha ha…).

Einer der Anrufer berichtete, dass er sich mit einem Franzosen prügeln wolle, um ihm zu zeigen, dass „the smallest man in the US has more courage than a whole nation“. Dann hat man über die Leute diskutiert, die hier gegen einen Krieg protestieren. Man versuchte die Anzahl von 1000 Demonstranten (gestern in San Diego) als nicht signifikant herunter zu spielen. Und man war böse auf sie, weil sie etwas gegen die eigenen Leute veranstalten. Damit waren Soldaten gemeint „who are protecting your ass!“.

Vielleicht hat diese Nation – trotz ihrer Pluralität – doch Schwierigkeiten, mit unterschiedlichen politischen Meinungen zurecht zu kommen. „United we stand!“: und das muss die politische Meinung betreffen, sonst wird man zu europäisch und zu sehr eine Nation von Worten als von Taten… und das grenzt schon an einen Identitätsverlust…

Der Gipfel dessen, wie unterschiedlich die politische Lage gesehen wird, lag für mich darin, dass Leute aus z.B. europäischen Ländern, die gegen den Krieg protestieren, als unpolitisch oder politisch uninteressiert bezeichnet wurden, weil sie nämlich ihre Regierung aus diesem Konflikt heraushalten wollen. Und das von Menschen, die wirklich überhaupt nicht über die Sache informiert werden…

Excuse me!

Und wieder hat sich ein wenig Anpassung an den amerikanischen ‚Way of Life‘ in unser Leben eingeschlichen: Wie jedem guten Bürger hier, entfährt uns das allgegenwärtige „Excuse me!“, sobald man sich einer anderen Person auf mehr als einen Yard nähert (Die Maßeinheiten sind noch so etwas, das man übernimmt. Etwa ein Meter!).

Egal, ob eine Kollision oder auch nur weitere Verringerung der Entfernung überhaupt möglich wäre, ob absichtlich oder unabsichtlich – die Entschuldigung, dem anderen so nahe getreten zu sein, gehört einfach dazu …

Little Richard says:

Warum nur sind die Amerikaner so scharf auf gesungene Werbung? In Europa findet man diese Songs ja mittlerweile glücklicherweise sehr selten, aber hier verwenden selbst große Firmen mit eigentlich kundigem PR-Department peinlich gereimte Gesänge in ihren Spots (die ich hier mangels Technik leider nicht wiedergeben kann …)

Das derzeit schönste Beispiel ist aber nicht einmal für ein Produkt, sondern kommt von „Department for Home Security“ (oder so ähnlich): „Fall and Crawl“ beschreibt, funky von Little Richard vorgetragen, wie man sich im Falle eines Brandes im Haus zu verhalten habe, um unter dem Rauch ins Freie zu gelangen. Erinnert frappierend an die guten, alten „Duck and Cover“-Spots aus den 50ern, die uns alle belehrt haben, dass im Falle eines Atomkrieges eine Aktentasche über dem Kopf ausreichenden Schutz gewährleistet …