Um noch einmal Katharinas Beitrag, und die vielen interessanten Kommentare, zum Themenkomplex „Öffentliche Meinung, Irak-Krieg und Soldaten“ aufzugreifen … spätestens nach meinem gestrigen Gespräch mit unserer Vermieterin, die von ihrer Teilnahme an den letzten Anti-Kriegs-Demos in San Diego erzählt hat, finde ich schon, dass man unterscheiden sollte:
Die Haltung der US-Regierung, insbesondere George W. und der üblichen Verdächtigen im Verteidigungsministerium, entspricht nicht der Meinung einer Mehrheit der Bevölkerung. Von außen betrachtet ist das sicher schwerer auseinander zu halten (und mir geht es ja von hier aus bezüglich der deutschen Politik nicht viel anders), aber Tatsache ist, dass weit über zwei Drittel der Bürger in den USA gegen einen Alleingang Amerikas gegen Saddam Hussein sind. Auch ist die Zufriedenheit allgemein mit der Arbeit der Bush-Administration mittlerweile wieder auf den Wert vor 9/11 zurück gegangen – was bedeutet, dass weniger als die Hälfte ihrem Präsidenten etwas abgewinnen kann.
Die Medien allerdings halten zugegebenermaßen noch recht streng an ihrem selbst verordneten, patriotischen Maulkorb fest. Was das angeht, hat Katharina mit den offensichtlichen Schwierigkeiten im Anerkennen anderer Meinungen sicher recht. Auch das aber scheint sich langsam zu ändern: Als Beleg dafür kann die gleiche Radio-Station (und der gleiche Moderator!) herhalten, den Kasia schon zitiert hat: Gestern wurde in der Sendung gleichermaßen über Donald Rumsfeld hergezogen, nachdem der in einem Interview bezüglich der irakischen Ölreserven geäußert hatte, das sei natürlich ausschließlich „the oil of the Iraqi people“, und in keiner Weise für die USA interessant … Kommentar des Moderators: „Yeah! Sure!“
Von all dem aber in vieler Hinsicht losgelöst, das ist sehr auffällig und habe ich ja früher schon einmal angesprochen, ist das Ansehen des US-Militärs in der Bevölkerung. Für einen friedensbewegten Europäer schwer nachvollziehbar, scheint es hier nicht unüblich, Anti-War und doch Pro-Military zu sein. In einer Stadt wie San Diego, die eine große Zahl militärischer Einrichtungen und damit Familien mit Angehörigen in der Army hat, natürlich um so mehr. Es ist eine Selbstverständlichkeit, die Truppen moralisch zu unterstützen – schließlich sind das letztendlich einfach Ehemänner und -frauen, Väter, Mütter und Geschwister vieler Menschen hier. Die auch häufig nicht aus irgendwelchem Patriotismus oder gar Chauvinismus zur Armee gegangen sind, sondern weil das für die unteren Einkommensschichten praktisch die einzige Möglichkeit ist, eine Ausbildung zu finanzieren.
Mehr steckt in den meisten Fällen gar nicht dahinter, wenn man hier heftige Reaktionen damit provoziert, sich gegen das Militär zu äußern. Auf jeden Fall keine „Dolchstoß-Legende“, wie sie einige Medien vielleicht zu konstruieren versuchen!