Comment:

[Gastkommentar von Katharina] Mir ist schon klar, dass eine Sache mindestens zwei verschiedene Seiten haben oder von solchen betrachtet werden kann. Heute jedoch als ich auf dem Weg ins Labor war, lief eine Radiosendung zu, die sich auch sonst mit Gedanken und Erlebnissen von normalen Menschen beschäftigt. Heute ging es grob gesagt darum, dass Frankreich nicht mit in den Krieg will. Das verursachte eine Lawine von bösen Bemerkungen (Going to war without France is like going hunting without an accordion – ha ha…).

Einer der Anrufer berichtete, dass er sich mit einem Franzosen prügeln wolle, um ihm zu zeigen, dass „the smallest man in the US has more courage than a whole nation“. Dann hat man über die Leute diskutiert, die hier gegen einen Krieg protestieren. Man versuchte die Anzahl von 1000 Demonstranten (gestern in San Diego) als nicht signifikant herunter zu spielen. Und man war böse auf sie, weil sie etwas gegen die eigenen Leute veranstalten. Damit waren Soldaten gemeint „who are protecting your ass!“.

Vielleicht hat diese Nation – trotz ihrer Pluralität – doch Schwierigkeiten, mit unterschiedlichen politischen Meinungen zurecht zu kommen. „United we stand!“: und das muss die politische Meinung betreffen, sonst wird man zu europäisch und zu sehr eine Nation von Worten als von Taten… und das grenzt schon an einen Identitätsverlust…

Der Gipfel dessen, wie unterschiedlich die politische Lage gesehen wird, lag für mich darin, dass Leute aus z.B. europäischen Ländern, die gegen den Krieg protestieren, als unpolitisch oder politisch uninteressiert bezeichnet wurden, weil sie nämlich ihre Regierung aus diesem Konflikt heraushalten wollen. Und das von Menschen, die wirklich überhaupt nicht über die Sache informiert werden…