Kartenspiele

Langsam wird es Zeit, an die Weihnachtskarten zu denken. In diesem Bereich sind uns die USA ein wenig voraus – gibt es doch in den einschlägigen Geschäften genau zugeschnittene Karten für jede Person: Kinder, Eltern, Großväter, Neffen, Adoptivmütter, Schwippschwager, Lieblingscousinen, Schwiegertöchter, künstlich befruchtete Söhne, Stiefgeschwister, Zwillingspärchen, …

Außerdem werden hier zusätzlich zu Weihnachten einfach viel mehr Feste gefeiert. Thanksgiving war ein Riesengeschäft, und mindestens eben so viele Karten werden zu Hanukkah verkauft. Aber das hat die deutsche Grußkartenindustrie sich ja gründlich versaut!

Check into Cash

Heute kam ein Brief von unserem Autohändler, mit einem Scheck für mich. Ich habe zwar keine Ahnung, warum ich eine Rückzahlung von Anmeldegebühren erhalte, will mich aber natürlich auch nicht beschweren. Und prompt durfte ich mich auf den Weg machen, diesen auch einzulösen …

Der regelmäßige Leser erinnert sich, dass ich keine Social Security Number, und deswegen auch kein Bankkonto habe. Ich habe deswegen einfach versucht, das Geld auf Katharinas Konto einzuzahlen. Ging nicht! Auf dem Scheck steht mein Name, und in den USA sind alle Schecks Verrechnungsschecks, sprich: ohne Deckungsgarantie. Deswegen können das nur Kontoinhaber.

Zum Glück hatte ich danach die Idee, direkt zur ausstellenden Bank („Bank of America“) zu gehen. Dort konnte ich dann den Scheck direkt zu Geld machen. Allerdings erst gegen Abgabe – und jetzt wird es richtig archaisch – nicht etwa einer Unterschrift, sondern eines Fingerabdrucks mitten auf den Scheck. Sehr ungewohnt …

Der Betrag wurde anschließend natürlich wie üblich als Stapel von $20-Banknoten ausgezahlt. Man wird das Gefühl nicht los, dass $50- und $100-Scheine nur für den Export bestimmt sind.

Additional Taxes and Surcharges may apply

Unsere erste Telefonrechnung ist angekommen, so dass wir uns ab sofort auch in den Kreis derer einreihen dürfen, die Schecks in Umschläge stecken, um damit ihre Rechnungen zu bezahlen …

Viel spannender ist aber, die Gelegenheit zu nutzen, um einen Blick auf das amerikanische System der Preisauszeichnung zu werfen – in dem ein angegebener oder beworbener Betrag nichts mit dem zu tun hat, den man letztendlich wirklich zu zahlen hat. In besagtem Falle unseres Telefonanschlusses heißt das nämlich:

Grundgebühr für ein Telefon sind $10.69. Das wird überall so angegeben, und wurde mir bei Vertragsabschluss auch bestätigt. Sonst wurde gar nichts gesagt. Wirklich fällig sind aber laut Rechnung zusätzlich jeden Monat

  • Charges for Network Access for Interstate Calling
  • Federal Universal Service Fee
  • CA High Cost Fund Surcharge A & B
  • Californa Teleconnect Fund Surcharge
  • Universal Lifeline Telephone Service Surcharge
  • Rate Surcharge
  • State Regulatory Fee
  • CA Relay Service and Communications Devices Fund
  • Federal Tax
  • 911 Tax
  • Number Portability Service Charge

und damit insgesamt $17.88, also lockere 70% mehr als angegeben.

Dieses Prinzip zieht sich durch sämtliche Preisangaben, egal ob für Waren oder Dienstleistungen, und verhindert so jegliche Vergleichbarkeit. Selbst wenn man sich die Mühe machen wollte – in den Anzeigen steht immer nur kleingedruckt „Additional Taxes and Surcharges may apply“.

Christmas Shopping Spree

Samstag ist immer die Gelegenheit, shoppen zu gehen, weil auch Katharina mal Zeit hat. Also schnell heute morgen ab in die nächste Mall …

Welche man nimmt, ist eigentlich fast egal, weil ohnehin meistens die gleichen Geschäfte da sind. Komischerweise war unsere heutige Wahl trotzdem ungewöhnlich langweilig … aber trotzdem haben wir so einiges gefunden.

Zum Beispiel das wohl nützlichste Utensil überhaupt: Ein tragbarer Fernseher mit eingebauter Taschenlampe, Alarmanlage und Leselampe. Praktisch ein televisionäres Taschenmesser. Was braucht man mehr?

Außerdem Weihnachtsbäume. Interessanterweise sind die, die man nach dem Schild dafür halten würde (6 Feet Columbia Pine), aus Plastik. Oder Glasfaser, damit die Nadelspitzen schön leuchten. Richtige Weihnachtsbäume dagegen heißen „Living Christmas Trees“, sehen aber nach ein paar Tagen Verkaufsausstellung im kalifornischen Klima nicht mehr wirklich so aus.

Insgesamt wirkt das ganze hier wie ein überdimensionaler, vierwöchiger Schlussverkauf: Alles überschlägt sich mit Sonderangeboten, Rabatten, … und ungefähr so voll ist es auch!

Who wants to marry a millionaire?

Ganz fit bin ich noch immer nicht wieder, aber dank Heißer Zitrone, frisch gepresst von Baum in unserem Vorgarten, geht es mir schon einiges besser …

Zur Regeneration habe ich meist auf dem Sofa gelegen und fern gesehen. Da gibt es schon so einiges interessantes, vor dem ich euch zu Hause schon einmal warnen sollte. Kann nicht lange dauern, bis irgendein Privatsender in Deutschland sowas auch aufzieht:

„Joe Millionaire“ – Heiratsshows gab es ja schon einige, in denen eine Gruppe williger Frauen gegeneinander antreten, um hinterher den reichen, begehrenswerten Junggesellen zu ehelichen. Aber in dieser Variante hat sich Fox Television etwas neues einfallen lassen: Während die Teilnehmerinnen glauben, dass der Mann $50 Millionen schwer ist, ist er in Wirklichkeit nur ein einfacher Bauarbeiter. Wird sicher spannend zu sehen, was die Auserwählte sagt, wenn ihr dieses klitzekleine Faktum nach der Hochzeit präsentiert wird. Und die Frage bleibt für mich offen, ob bei diesem Konzept die Frauen zu bemitleiden sind, die sich für so etwas hergeben? Oder doch eher nur der Zuschauer …

P.S. Happy „Santa Claus-Day“ 🙂

*Hust! Schnief!*

Irgendwo habe ich mir eine fiese Erkältung eingefangen. Bleibt nur die Frage, wo: In San Francisco auf der windigen Golden Gate Bridge? Bei dem fürchterlichen Sturm hier in San Diego letzte Woche, bei dem Windgeschwindigkeiten bis zu 30mph (sic!) gemessen wurden – und die schon ausgereicht haben, hier Bäume zu entwurzeln und Masten umzuschmeißen, so dass tausende Haushalte ohne Strom dastanden? Oder vielleicht eher, weil ich ohne Socken bis tief in die Nacht am Telefon sitzen muss, um nervtötende Telefonate nach Deutschland zu führen, nur weil unsere Krankenkasse einen Rechnungsposten moniert, und deswegen gar nichts zahlt?

Und, Nein!, Markus, einen „Preview“-Button gibt es noch nicht, du solltest also auch weiterhin erst noch einmal lesen, was du geschrieben hast, und erst dann posten 😉

Formulare, Formulare

Im Ausland zu leben ist immer dafür gut, die eigenen Perspektiven zurecht zu rücken: All‘ die Leute, die sich über deutsche Bürokratie beklagen, sollten dringend ein wenig Zeit in den USA verbringen …

Fakt 1: Hier gibt es definitiv nicht weniger Formulare und Beamte. Zunächst hatte ich es ja auf den Zustand geschoben, dass Ausländer einfach mehr Papierkram haben (etwa die Einreise), aber mittlerweile haben wir schon viele Sachen zu tun gehabt, die jeder US-Bürger auch regelmäßig zu erledigen hat: Social Security Number, Führerschein, Auto anmelden, … und können die unzähligen Formulare (alle mit dem Hinweis auf den offensichtlich wirkungslosen „Paperwork Reduction Act“ versehen) nicht mehr zählen.

Fakt 2: Die preußische Bürokratie ist wenigstens effizient. Hier dagegen … hat es 3 Wochen gedauert, bis der INS überhaupt begriffen hatte, dass wir im Land sind … haben wir unsere Führerscheine bis heute nicht bekommen … und habe ich heute erfahren, dass es 6 Wochen dauert, bis das DMV meinen Fahrzeugbrief ausstellt.

Fakt 3: Hiesige Beamte sind nicht nur unfreundlich, sie haben auch keine Ahnung. Daher macht es durchaus Sinn, sein Anliegen, wenn jemand eine abschlägige Antwort erteilt, in einer anderen Dienststelle erneut vorzutragen – wo das ganze dann problemlos genehmigt wird. Oder ganz andere beziehungsweise immer neue Formulare und Belege verlangt werden, je nachdem, wen man fragt. Und da letztendlich ohnehin hier niemand wirklich Ahnung oder Lust hat, sich alle beigebrachten Unterlagen genau anzusehen, bin ich mittlerweile dazu übergegangen, überraschend geforderte Belege aus Deutschland einfach im CopyShop selber zu basteln 🙂

Back to the lab!

Um nicht ganz aus der Übung zu kommen, habe ich der Bitte von Katharinas Labor, eine Webseite für sie zu erstellen, natürlich gerne entsprochen.

Im Child Language Lab könnt ihr euch also ab sofort über die Arbeit, die Mitarbeiter und die Räumlichkeiten informieren (vermutlich werden sich die Administratoren über die verdächtig vielen Zugriffe aus Deutschland in den Server-Logs wundern). Und eure Kinder für die aktuellen Studien anmelden …

Heute war außerdem Dienstag, und damit Müllabfuhr: Auch das ist ein interessanter Anblick, denn außer riesengroßen Mülltonnen, die zu erwarten waren – damit würde in Deutschland eine Familie für einige Wochen auskommen, wird auch hier recycelt. Allerdings anders, als wir es gewohnt sind. Gesammelt werden nämlich Zeitungen (aber kein anderes Altpapier) und Getränkeverpackungen (bei denen es dann egal ist, ob Glas, Dose, Plastik oder Verbund. Hauptsache es war mal was flüssiges drin).

‚Tis the season …

Schon beeindruckend, wie schnell die Thanksgiving-Dekorationen praktisch über Nacht in Christmas-Ornamente umgewandelt wurden. Als Nachlese aus San Francisco deshalb hier noch eine ganze Reihe opulentester Weihnachtsbäume.

Sonderlich weihnachtlich fühlen wir uns allerdings trotzdem noch nicht (das gibt das Wetter einfach nicht her), und der erste Advent ist auch einfach vorübergegangen. Könnte natürlich auch daran liegen, dass es hier weder Adventskränze noch -kalender gibt. Wäre vielleicht mal eine Geschäftsidee …

… San Diego

Da wir ja doch einen Tag länger in San Francisco geblieben sind, als ursprünglich geplant, sind wir dann heute doch wieder in einem Rutsch nach San Diego zurück gefahren. Und haben dabei jede Menge gelernt:

1. Die Route, die Yahoo!Maps uns für den Hinweg heraus gesucht hatte, war zwar ganz hübsch, aber weder die schnellste noch die kürzeste. Auf diesem Weg haben wir jetzt einfach den Highway 5 genommen, der ohne große Umschweife den gesamten Weg zurück legt.

2. Als Hinweis für Stefan: Die Höchstgeschwindigkeit auf amerikanischen Highways beträgt mitnichten die bekannten 55 Meilen pro Stunde. Statt dessen sind auf allen Interstates in Kalifornien mindestens 65, häufig sogar 70mph erlaubt.

3. „Cruise Control“ im Auto ist eine tolle Erfindung: Einmal die richtige Geschwindigkeit im System eingestellt, und dann einfach dahingleiten, ohne sich sorgen um einen verkrampften Gasfuß oder eine Geschwindigkeitsübertretung machen zu müssen.

4. Wenn man genug Platz hat, können viel beeindruckendere Straßen gebaut werden. Zum Beispiel 7-spurige Highways, die der Einfachheit halber links und rechts Abfahrten und Auffahrten haben …

Nach heute dann nur 510 Meilen (in knapp 10 Stunden, wegen einiger unmotivierter Staus) sind wir also wieder da!