Bowling for Columbine

Zu gestrigem Eintrag passt die hervorragende Dokumentation „Bowling for Columbine“, die meines Wissens auch schon in Deutschland im Kino ist (Unbedingt ansehen!)

Ausgehend vom High School-Shooting in Littleton geht Filmemacher Michael Moore quer durch die USA und Kanada der Frage nach, warum die Vereinigten Staaten so ein gefährliches Pflaster sind. Mit über 11.000 Toten durch Schusswaffen jedes Jahr sind das mehr als 30mal so viele Opfer wie in allen anderen Industrieländern.

Erklärungsversuche in Interviews zum Beispiel mit Charlton Heston (Vorsitzender der National Rifle Association): „Die USA haben eine gewalttätigere Geschichte.“ Moore: „Gewalttätiger als Deutschland?“ Heston: „Sicher!“

Vielleicht liegt es an der Menge an frei verfügbaren Waffen? Angesichts bis an die Zähne bewaffneter Milizen („Nur zur Verteidigung!“, „Mein in der Verfassung verbrieftes Recht!“, „Ich habe eine M16 zuhause!“) würde das nahe liegen. Aber komischerweise hat Kanada eine genau so hohe dichte an Feuerwaffen, aber praktisch keine Morde!

Was bei einem Gespräch in Toronto herauskommt: In Kanada schließen die Leute ihre Haustüren nicht ab (Moore probiert es aus. Stimmt!) Er schlussfolgert daraus, dass US-Bürger unglaublich ängstlich sind, dass das ganze Land in ständiger Furcht lebt – bestärkt wird dieses Gefühl von den Medien: Zwar ist die Zahl der Gewaltverbrechen in den vergangenen Jahren ständig zurück gegangen, die Zahl von Berichten über Morde ist dagegen um ein vielfaches gestiegen.

Moores Schlusssatz: „Ein Land voller so ängstlicher Menschen sollte keinen so einfachen Zugang zu Feuerwaffen haben …“

Alles in allem sicher Oscar-würdig. Aber auch Oscar-verdächtig?

8 Gedanken zu „Bowling for Columbine“

  1. @Stefan: Die Statistik spricht ja eindeutig von 11.000 Toten [sic] – und da sind natürlich all‘ diejenigen mit drin, die aus Unachtsamkeit erschossen werden, in angeblicher Selbstverteidigung oder von schießwütigen Polizisten. Wobei zumindest die letzten beiden meines Erachtens gut auf „Angstreaktionen“ zurück zu führen sind.

    @Markus: Die Nominierungen sind mittlerweile da, und zumindest ist „Bowling for Columbine“ auf der Liste für „Best Documentary Feature“. Aber ich bin auch skeptisch, was die Chancen angeht …

  2. Ich denke, Angstreaktionen schaukeln sich auch auf. Ein Krimineller, der damit rechnen muss, dass sein Opfer vermutlich schwer bewaffnet ist, hat sicher auch mehr „Angst“ und Grund zu schießen.

  3. So ganz blicke ich das noch nicht. Wenn sie aus Angst jmd töten, warum stellt es sich dann vor Gericht/in der Statistik als Mord heraus…?

  4. Werde ich mir mal ansehen. Ob Oscar-würdig, kann ich danach erst beurteilen, Oscar verdächtig ist es imo aber nicht.

  5. Davon kann man wohl auf allen Seiten ausgehen.
    Kombiniert man dann das ganze noch mit der Tatsache, dass man hier für recht geringe Vergehen schon jahrzehntelang in den Knast wandern kann, hat jeder Kriminelle guten Grund zu schießen: Wenn ich den Zeugen umbringe, sinken die Chancen, erwischt zuwerden. Und wenn die Strafe mit oder ohne Todesopfer praktisch dieselbe ist …

  6. Wie üblich: Wenn man direkt drin steckt, sieht vieles ganz anders aus … angesichts der Nachrichten aus Deutschland kann man sich von hier vermutlich genau so fragen, wie ihr es in der alten Welt aushaltet (^_^)

  7. Wobei ich offen gestanden wirtschaftliche Probleme einer kriegslüsternen Regierung, die laut ihrer eigenen Doktrin nicht einmal vor dem Einsatz von Atomwaffen zurückschrecken würde, vorziehe.
    Meine 5 €Cent.

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