This is not a drill!

Nachtrag zum Thema „Fear“: Seit einigen Tagen ist der Alert Level für die USA auf die Stufe High/Orange angehoben – erhöhte Gefahr eines Terrorangriffs .Gründe werden seitens der Behörden, wie neuerdings üblich, nicht genannt. Außer dem lächerlichen „Wie haben Beweise, die wir aber nicht verraten können!“.

Die Bevölkerung wird aufgerufen, Ruhe zu bewahren und sich ganz normal zu verhalten. Trotzdem aber Lebensmittel und alles weitere notwendige für mehrere Tage griffbereit zu halten (z.B. Plastikplane und Klebeband, um im Falle eines chemischen oder biologischen Angriffs die Fenster abkleben zu können …), und in Radio und Fernsehen wird gerne mal für ein paar Minuten das Notfallsystem getestet („This is only a test of the emergency broadcast system!“)

Irgendwie fühlen wir uns aber gar nicht unsicher. Muss an der europäischen Herkunft liegen …

8 Gedanken zu „This is not a drill!“

  1. Mit einer Bekannten sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass vieles in Europa wohl übertrieben dargestellt wird. Ich habe hier noch keinen panisch in ein Laden laufen gesehen…

    A propos übertreiben. Wie empfindet Ihr die Stimmung in Deutschland? Ich bin so langsam entsetzt wie depressiv sich alles anhört: Außenpolitik, Innenpolitik… Warum fordert denn (laut spiegel-online) jeder 3 einen Rücktritt von Schröder – was soll das verändern? Ist das der Schrei nach Veränderung, egal welcher Art? Auch ziemlich kurzsichtig, oder?

  2. Es hat etwas davon; schließlich ist Deutschland eine Fußballnation und wenn man ein Spiel verliert, dann wird eben der Trainer gewechselt. Leider ist es in der Politik halt viel komplizierter. Ich glaube hier regiert im Moment das Sündenbock-Phänomen: einen muss es doch geben, der die Schuld hat, und da bietet sich ein Kanzler an (oder auch die Gewerkschaften – hallo marc:-)). Diese Haltung und das Rumjammern sind meiner Meinung nach aber auch ein deutliches Zeichen dafür, dass eigentlich alle wissen, dass sich alle verändern müssen und davor haben natürlich alle Angst. Im Alltag findet man diesen Pessimus nicht so sehr wieder. Da interessiert man sich vielmehr für den Krieg (‚Bowling for Columbine‘ läuft seit Wochen alle Programmkinos rauf und runter und Moores Buch ‚Stupid White Man‘ war zwischendurch ausverkauft) und verknüpft dann die Bereiche schon mal miteinander (heute Demo in DU: Bildung statt Bomben; das erinnert doch an die guten 80er..) Also von innen herrscht hier nicht die große Depression, sondern eher die Hoffnung, dass jetzt etwas passieren muss und dass sich Schröder jetzt auch endlich trauen wird, etwas zu tun denn er hat nicht s mehr zu verlieren.

  3. Es geht doch nichts über einen kleinen Seitenhieb von Gudrun … (^_^)

    Aber im Ernst: Der (ja letztendlich optimistische) Eindruck, dass jetzt etwas passieren wird, drängt sich mir nicht gerade auf. So lange ich noch Sündenböcke suche, bin ich nicht bereit, mich selbst zu ändern, und die dafür notwendigen Einschränkungen auf mich zu nehmen.

    Und was die paar Demos angeht: die nächste Generation ist damit einfach dran, vermutlich machen die das eher, um die coolen Palästinensertücher aus Mamas Jugendzeit tragen zu können. Und wie wir alle wissen, lenkt ja nichts den Mob besser von innenpolitischen Schwierigkeiten ab, als ein zünftiger Krieg. Heutzutage muss es dank der Globalisierung nicht mal ein eigener sein.

  4. Und was broadcasten die dann so? Vergleichbar nutzlosen Kram wie zu Zeiten des guten alten Kalten Krieges im Stil von „Duck and cover“?

  5. Habe eben im „heute journal“ einen interessanten Beitrag gesehen: Es ging um die jüngste Terror-Angst in den USA, mit Bildern von Leuten, die panisch Läden stürmen und Tausende von Gasmasken kaufen – habt ihr wenigstens auch schon eine?
    Und, nach diesem Bericht auf dem Weg zum Friseur, begegnen mir Dutzende von Polizeiwagen mit Lautsprecherdurchsage „Die Bombe ist entschärft“. War aber wohl nur eine aus dem letzten Weltkrieg 😉

    Und noch zum Orange Alarm: Sehr gelunge auch wieder der aktuelle Mark Fiore
    http://www.markfiore.com/animation/alerts.html

  6. An Katharina:
    Da war ich wohl missverständlich: Es war keine übertriebene europäische Darstellung, sondern der wörtliche Kommentar des amerikanischen Ladenbesitzers; der sprach von Panik.
    Abgesehen davon sprachen die Zahlen – von dem selben Ladenbesitzer – für sich: Normalerweise verkauften sie 4 Gasmasken pro Tag, jetzt über 1000.

    Abgesehen davon ist die Tatsache, dass Leute Gasmasken kaufen, für mich schon ohne jeden Kommentar ein Zeichen für Panik – bewirken tun die Dinger nämlich nichts. Die meisten Kampfgase wirken – leider – nicht nur über die Atemwege, man brauchte also noch einen Ganzkörperanzug dazu.

    Und was die Stimmung angeht:
    Imho waren Wähler schon immer (oder zumindest seit ich mich damit beschäftige) ziemlich kurzsichtig. Schröders Fehler ist imho, dass er den leuten nicht reinen Wein eingeschenkt hat, dass die kommende Regierungsperiode ohne Einschnitte nicht auskommt. Andererseit: Hätte er es getan, hätte man ihn nicht gewählt, ungeachtet der Tatsache, dass auch die Union freilich nur gesagt hätte, dass sie alles besser machen wolle, aber eben nicht wie.
    Ich persönliczh denke, mit einer anderen Regierung wäre quasi nichts anders.

    Und was die Veränderungen angeht, bin ich tatsächlich pessimistisch:
    Ändern soll sich nämlich eigentlich alles, nur nicht das, was man selber bekommt. Daran darf auf keinen Fall gerüttelt werden. Solange so gedacht wird, ist jedes Ende, an dem gespart oder verändert wird, recht, nur das eigenbe ist falsch. Und so findet sich halt immer einer, der kathegorisch sein „dagegen“ in den Raum brüllt.

    Solange das so ist, wird sich nichts änder … es sei denn, wir hätten eine wirklich mutige Regierung, die auf eine Wiederwahl und auch alle anstehenden landtagswahlen pfeift und Reformen durchzieht, egal, was Interessenverbände und auch Wähler sagen. Aber wäre das wirklich besser?

  7. Sehr interessanter Link. Einiges davon hatte mir mein Physik-Lehrer mal erklärt, „damals“ als Tschernobyl passierte.
    Und das Terroristen in erster Linie von dem Terror leben, den sie verbreiten können, sagt ja schon der Name.
    Und Panik ist ohnehin meist schlimmer als das, was sie ausgelöst hat. Sollte tatsächlilch jemals Godzilla durch New York stapfen, würden vermutlich erheblich mehr Menschen von ihresgleichen zertrampelt, als von der Riesenechse.

    Off Topic:
    Wo ich gerade wieder schreibe, fällt mir auf, dass ich mir ein breiteres Textfenster wünsche. Etwa so breit wie der fertige Text dann dargestellt wird, das würde auch das layout erleichtern.

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