Objection! … Overruled!

Ein wenig mehr Berichterstattung wünscht man sich ja gelegentlich aus deutschen Gerichtssälen schon (und damit meine ich nicht „Barbara Salesch“ …), um das System für den Durchschnittsbürger transparenter und verständlicher zu machen – oder einfach weil der Fall von allgemeinem Interesse ist. Es muss aber sicher keine Ausmaße annehmen wie hier, wo „Court-TV“ den ganzen Tag nichts anderes bringt als Live-Übertragungen direkt aus dem Gericht.

Und weil auch das dem sensationshungrigen Mob nicht mehr reicht, wurde gerade in Texas entschieden, dass ab sofort auch die Beratungen der Jury von Kameras begleitet werden. Bei allem Optimismus wird das wohl weniger wie „Die 12 Geschworenen“ als eher wie „Jerry Springer“ aussehen. Aber vielleicht sollte man einfach mal mitbekommen haben, wie Menschen über das Leben oder Sterben eines Mitbürgers entscheiden!

In the same vein: Hier in San Diego ist unlängst ein vielbeachteter Prozess wegen Kindesentführung und -mord zu ende gegangen. Mit der Todesstrafe. Und die Staatsanwaltschaft hat sich nicht entblödet, prompt die Videomitschnitte der Verhöre des Angeklagten freizugeben – also zeigen seit Tagen sämtliche Magazine im TV nichts anderes als diesen Pranger des 21. Jahrhunderts!

Um den Kameras wenigstens gelegentlich zu entgehen: Auf dieser Seite kann man sich einen Spaziergang in New York zusammen stellen, der möglichst wenig Überwachungskameras passiert …

Son of a bitch?

Eine amerikanische Eigenart sind Autoaufkleber, auf denen stolze Eltern verkünden, was ihre Kinder beruflich machen.

Und so wissen wir mittlerweile von diversen Leuten, dass „My daughter is a marine“, sie „Proud parent of a Navy Physician“ sind oder „My son is an honor student – what about yours?“

Was die prüden Amerikaner garantiert nicht auf ihre Autos kleben: Eine Redakteurin von Salon.com, meinem Lieblingsmagazin, testet Vibratoren .

Cocoa calling

Ein neuer Job: Katharinas Chefin hat mich gefragt, ob ich ein Programm für ihr Labor schreiben kann, mit dem sie ihre anstehenden Experimente mit Erwachsenen durchführen kann (Eine Reihe von Filmpaaren zeigen, zwischen denen die Probanden jeweils nach vorher festgelegten Kriterien entscheiden müssen, und die Ergebnisse automatisch protokollieren). Und da ich hier jede Menge Zeit habe, habe ich gerne zugesagt.

So beschäftige ich mich jetzt also ausgiebig mit der Macintosh-Programmierung, und lerne Cocoa und Objective-C (wollte ich immer schon mal machen, und jetzt habe ich einen guten Grund). Ein bisschen Quicktime ist wegen der Videos auch dabei, alles in allem eine sehr interessante Angelegenheit …

Offiziell arbeiten darf ich ja leider immer noch nicht, weswegen ich mich einfach in Büchern bezahlen lasse. Eine ganze Reihe von Titeln, die in den letzten Monaten auf meiner Amazon-Wunschliste gelandet waren – die ihr natürlich auch gerne benutzen dürft, falls ihr zufälligerweise dringend ein Geschenk für mich braucht 😉

Harmless?

Im Zuge des „War on Drugs“, der in den USA vehement gefochten wird, gibt es wieder eine Reihe neuer Werbespots, die gerade Jugendlichen die riesigen Gefahren des Kiffens vermitteln sollen (abgesehen davon, dass man schon für ein paar Gramm hier jahrzehntelang in den Bau wandert!):

Im angesprochenen Spot sitzen zwei Teens offensichtlich im Arbeitszimmer eines Vaters der beiden. Ziehen genüsslich an ihrer Wasserpfeife und amüsieren sich. Bis der eine in der Schreibtischschublade eine Knarre findet und damit kichernd rumfuchtelt. Das Bild wird ausgeblendet, und ein Schuss fällt. Schriftzug: Marihuana kann dich umbringen!

Spontan würde ich ja behaupten, dass nicht das Kiffen hier das Gefährliche war …

The City of Angels

Noch mehr Abenteuer in amerikanischen Großstädten: Wir haben heute Katharinas Professor, der die letzten Tage zu Besuch war, nach Los Angeles gebracht. An die Entfernungen hier haben wir uns ja längst gewöhnt: Mal eben 130 Meilen für eine Strecke? Kein Problem!

L.A. ist doch noch eine ganze Ecke größer als San Diego (ziemlich genau drei Mal, um genau zu sein), und so macht das Autofahren dort auch viel mehr Spaß: Wie in jeder Stadt gibt es natürlich das typische Schachbrettmuster von 1st, 2nd, … Avenue in der einen und A, B, … Street in der anderen Richtung (gelegentlich unterbrochen durch Straßennamen, die einfach dazugehören wie Main Street, Broadway oder Grand Avenue), aber wie überall sind die Straßen auch alle immer abwechselnd Einbahnstraßen. Es nützt also nichts, sich auf dem Stadtplan einen Weg zum Ziel auszusuchen, sondern man muss auch immer in die richtige Richtung fahren.

Deswegen sind wir erstmal um einige Blocks gegurkt, bis wir endlich wie gewünscht auf die korrekte Straße abbiegen konnten. Als Ausgleich haben wir uns dann vor dem Hotel das „Valet Parking“ gegönnt: Einfach anhalten, und einem Pagen den Schlüssel zuwerfen. Der parkt dann, und holt das Auto hinterher auch wieder. Und soviel Komfort für nur $1.75 pro 20 Minuten + Trinkgeld 🙂

Richtig viele Wolkenkratzer hat San Diego ja nicht, weswegen es auch um so imposanter ist, durch die Straßenschluchten von Los Angeles zu spazieren, und einfach nur hoch zu schauen. So stellt man sich die USA vor …

Downtown

Heute Abend sind wir zum Essen in ein indisches Restaurant in die Innenstadt von San Diego gefahren. Wie es sich für Innenstädte gehört, findet man erst nach einigem Suchen in einer Nebenstraße einen Parkplatz. Und muss dann zu Fuß den Rest des Weges zurück legen.

Ist doch immer wieder interessant, im Dunkeln durch die Straßenschluchten einer amerikanischen Großstadt zu gehen. Und damit meine ich jetzt nicht die vielen bunten Lichter …

Katharina ist mittlerweile auch dazu übergegangen, während der Fahrt prophylaktisch die Autotüren zu verriegeln (dafür hat jedes amerikanische Auto überall „Bronx-Schalter“), sobald am Straßenrand eine verdächtige Gestalt steht. Also praktisch immer …

Whuffie

Der eifrige Leser (also hoffentlich jeder …) erinnert sich sicher noch an die Blogs, die ich vor einigen Wochen als Quelle vieler meiner täglichen Links preisgegeben hatte.

Der Verfasser einer dieser originellen Linksammlungen (BoingBoing), Cory Doctorow, hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht. Und ganz im Geiste des Internets kann man sein Werk nicht nur auf toten Bäumen kaufen, sondern auch völlig legal herunter laden und weiter verteilen.

Ich bin derzeit dabei, Down and Out in the Magic Kingdom zu lesen, und kann das Buch nur vorbehaltlos empfehlen. Eine sehr kreativ weitergedachte Science Fiction-Geschichte, die viele Ideen aufgreift, die – besonders im Umfeld des Netzes – erst gerade am Horizont aufgetaucht sind. Und wenn das (An)lesen nichts kostet, um so besser …

Bleibt nur die Frage offen, wie Cory Doctorow mit seiner Geschichte Geld verdienen will, denn allen „Sharing“-Gedanken zum Trotz müssen Schriftsteller auch im Zeitalter des Web von irgendetwas leben. Er geht davon aus, dass die Werbung durch die Webseite (bisher weit über 25.000 Downloads) zum Verkauf des Buches beiträgt. Und tatsächlich ist „Down and Out in the Magic Kingdom“ schon in die ersten paar hundert in der Amazon-Verkaufshitliste aufgestiegen. Ich für meinen Teil werde das Buch wohl zur Zeit nicht kaufen (nur um es dann erst nach Chicago und später nach Deutschland zu schleppen), sondern dem Autor direkt ein paar Dollar per PayPal zukommen lassen. Vielleicht gefällt es ja dem ein oder anderen gut genug, ähnliches zu tun 🙂

Wenn genug Leute dafür Sorgen, dass dieses System funktioniert (und nicht nur alles einsacken, ohne den Urheber zu entlohnen), gibt es in Zukunft hoffentlich viel mehr solcher Ansätze.

In diesem Zusammenhang interessant: Die Free Library des Verlages Baen enthält eine große Auswahl freier Fantasy und Science Fiction-Titel, die im Handel schon vergriffen sind.

Halt!

Und ich hatte gedacht, ich wäre zu alt für sowas …

Nachdem mir „zufällig“ eine Demo in die Hände gefallen ist – oder genauer: Ich habe bei Katharina im Büro die Internetverbindung genutzt, um ein paar nötige Updates für OS X herunter zu laden (weil eine T1-Leitung einfach mehr Spaß macht als ein Modem, vor allem wenn man 100MB an Daten braucht …), und dabei nebenbei eben auch bei ID vorbeigeschaut – spiele ich Return to Castle Wolfenstein . Und auch wenn die Übelbolde nicht mehr so schön wie früher „Mein Leben“ brüllen, doch mit wachsender Begeisterung!

Ist noch irgendjemand von euch dabei und kennt einen schönen Multiplayer-Server?

Thema Gaming: Mindcandy hat jede Menge alte „Demos“ (alte Säcke wie ich, die schon in den 80ern am Computer gespielt haben, kennen die beeindruckenden Grafiken, die aus den Geräten gekitzelt wurden, sicher noch) auf eine DVD gepackt. Vol.1 enthält einen Querschnitt über die PC-Szene, der Amiga und der gute alte C64 sind in den nächsten Ausgaben dran!

"Gewerkschaftpack", die zweite …

Nachdem mein recht drastisch formulierter Eintrag vom 9.1. ein paar Reaktionen und Nachfragen provoziert hat, möchte ich noch etwas näher darauf eingehen.

Nicht um das „Gewerkschaftspack“ zurück zu nehmen – zu dieser Aussage stehe ich noch immer (vor allem angesichts der täglichen Meldungen zum Tarifstreit auf „Spiegel Online“, und meine damit die überkommenen, riesigen, unflexiblen Lobbies, die nur die Wahrung eigener Besitzstände im Sinn haben und notwendige Reformen unmöglich machen.

Aber die angesprochenen „Work Ethics“ hier in den USA verdienen sicher noch eine eingehendere Betrachtung. Worum es mir allgemein ging war die Tatsache, dass Arbeit hier viel mehr als etwas selbstverständliches gesehen wird. Dass eben jeder Bürger die Notwendigkeit erkennt, sich eine Arbeit zu suchen, um sein eigenes Leben bestreiten zu können – und nicht bei jeder Gelegenheit versucht wird, diesem Umstand zu umgehen, und irgendjemand anderes („Der Staat“) für mich bezahlt. Dadurch wird das soziale Netz (vom Prinzip her schließlich eine gute Idee, die wiederum in den Vereinigten Staaten manchmal fehlt) irgendwann nämlich unbezahlbar, so dass die wirklich Bedürftigen leer ausgehen.

Hier sieht man an allen Ecken und Enden Leute Arbeiten verrichten, die in Europa niemand machen würde. Zum Beispiel:

  • Parkhauswinker, die Autofahrer in ein Parkhaus lotsen
  • Autoparker, die für mich mein Auto abstellen, während ich schon ins Restaurant gehe
  • Schilderhalter, die auf dem Bürgersteig eine Reklametafel herumwirbeln
  • Schalterzuweiser, die auf Ämtern dafür sorgen, dass lange Schlangen funktionieren
  • Baustellenhelfer, die an beiden Enden einer Baustelle mit Stop- bzw. Slow-Schildern den Verkehr regeln

Diese Jobs bringen natürlich bestenfalls den Mindestlohn von gut $8/Stunde, aber immerhin arbeiten die Personen. Und das dem Anschein nach auch meist recht gerne. In Deutschland würde jeder davon lieber Stütze kassieren und sich einen lauen Lenz machen. Tatsache ist, dass Shell versucht hat, vergleichbares an den Tankstellen einzuführen: Mehrere 1000 Stellen für Dienstleistungs-Personal, die Scheiben waschen, Tanken, … aber keine Interessenten gefunden haben. Oder man denke an die Erntehelfer jedes Jahr.

Und genau in dieser Hinsicht muss sich Deutschland dringend eine Scheibe von den USA abschneiden. Und wenn die Arbeitslosen das nicht freiwillig machen, dann muss man sie leider zwingen. Mir konnte bis heute niemand wirklich klarmachen, warum ein alleinstehender, gesunder, 25jähriger Mensch auch nur einen Cent vom Arbeits- oder Sozialamt bekommen sollte – vor allem, nachdem er mehrere Job-Angebote abgelehnt hat!