Who framed …?

Zweiter Punkt: Zivilprozesse (Civil Suits) nach einem Strafverfahren.

Fast noch abgedrehter als viele Sammelklagen sind die immer häufigeren Zivilprozesse, die sogar nach einem offiziellen Gerichtsverfahren noch angestrengt werden können. Es ist ja für mich schon schwer nachzuvollziehen, wo der Sinn darin liegt, wenn die Familie eines Mordopfers den Täter auf Millionen von Schadenersatz verklagt (Obwohl hier gerade eine Familie ihre Beweggründe sehr deutlich im Interview ausgedrückt hat: „Wir wollen, dass der Schuft wirklich leidet, und nie wieder Geld hat!“ Interessanter Ansatz, vor allem wenn der ‚Schuft‘ ohnehin zum Tode verurteilt wurde, und pleite ist wegen der eigenen Anwaltsrechnungen …).

Was aber endgültig jedem Rechtsempfinden widerspricht, ist die Möglichkeit einer Zivilklage noch nach einem Freispruch in der Hauptverhandlung. Zum Beispiel so im O.J. Simpson-Prozess passiert: Er wurde des Mordes freigesprochen, anschließend von der Familie des Opfers zivil verklagt (auf „Wrongful Death“, wie es so schön heißt)… und da für schuldig erkannt und zu Schadenersatz verurteilt. Grund: Während im Strafverfahren die Schuld jenseits jeden Zweifels nachgewiesen werden muss (und alle Mitglieder der Jury übereinstimmen müssen), reicht in zivilen Prozessen der „überwiegende Anschein“ und eine einfache Mehrheit. Im Effekt: Der Angeklagte ist sowohl unschuldig wie auch schuldig, und wurde wegen der selben Anklage zweimal verurteilt …

3 Gedanken zu „Who framed …?“

  1. Wie kommt es eigentlich, dass du dich so ausgiebig für das amerikanische Rechtssystem interessierst?
    Wurdest du als Regisseur für die nächste Ally MacBeal-Staffel engagiert, oder planst du ein größeres „Ding“?
    😉

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