Nachdem mein recht drastisch formulierter Eintrag vom 9.1. ein paar Reaktionen und Nachfragen provoziert hat, möchte ich noch etwas näher darauf eingehen.
Nicht um das „Gewerkschaftspack“ zurück zu nehmen – zu dieser Aussage stehe ich noch immer (vor allem angesichts der täglichen Meldungen zum Tarifstreit auf „Spiegel Online“, und meine damit die überkommenen, riesigen, unflexiblen Lobbies, die nur die Wahrung eigener Besitzstände im Sinn haben und notwendige Reformen unmöglich machen.
Aber die angesprochenen „Work Ethics“ hier in den USA verdienen sicher noch eine eingehendere Betrachtung. Worum es mir allgemein ging war die Tatsache, dass Arbeit hier viel mehr als etwas selbstverständliches gesehen wird. Dass eben jeder Bürger die Notwendigkeit erkennt, sich eine Arbeit zu suchen, um sein eigenes Leben bestreiten zu können – und nicht bei jeder Gelegenheit versucht wird, diesem Umstand zu umgehen, und irgendjemand anderes („Der Staat“) für mich bezahlt. Dadurch wird das soziale Netz (vom Prinzip her schließlich eine gute Idee, die wiederum in den Vereinigten Staaten manchmal fehlt) irgendwann nämlich unbezahlbar, so dass die wirklich Bedürftigen leer ausgehen.
Hier sieht man an allen Ecken und Enden Leute Arbeiten verrichten, die in Europa niemand machen würde. Zum Beispiel:
- Parkhauswinker, die Autofahrer in ein Parkhaus lotsen
- Autoparker, die für mich mein Auto abstellen, während ich schon ins Restaurant gehe
- Schilderhalter, die auf dem Bürgersteig eine Reklametafel herumwirbeln
- Schalterzuweiser, die auf Ämtern dafür sorgen, dass lange Schlangen funktionieren
- Baustellenhelfer, die an beiden Enden einer Baustelle mit Stop- bzw. Slow-Schildern den Verkehr regeln
Diese Jobs bringen natürlich bestenfalls den Mindestlohn von gut $8/Stunde, aber immerhin arbeiten die Personen. Und das dem Anschein nach auch meist recht gerne. In Deutschland würde jeder davon lieber Stütze kassieren und sich einen lauen Lenz machen. Tatsache ist, dass Shell versucht hat, vergleichbares an den Tankstellen einzuführen: Mehrere 1000 Stellen für Dienstleistungs-Personal, die Scheiben waschen, Tanken, … aber keine Interessenten gefunden haben. Oder man denke an die Erntehelfer jedes Jahr.
Und genau in dieser Hinsicht muss sich Deutschland dringend eine Scheibe von den USA abschneiden. Und wenn die Arbeitslosen das nicht freiwillig machen, dann muss man sie leider zwingen. Mir konnte bis heute niemand wirklich klarmachen, warum ein alleinstehender, gesunder, 25jähriger Mensch auch nur einen Cent vom Arbeits- oder Sozialamt bekommen sollte – vor allem, nachdem er mehrere Job-Angebote abgelehnt hat!

Dem kann ich nur voll zustimmen!
Jetzt habe ich die mail schon abgeschickt. Daher nur kurz diese Ergänzung: Völlig einverstanden in Bezug auf den 25-jährigen. Aber mir ist der Zusammhang zwischen einer Tarifverhandlung und den Schwächen unserer Sozialsysteme nicht ganz klar, denn bei den Tarifverhandlungen geht es um Leute, die arbeiten, und es geht um die Verteilung des Vorhandenen und da nutzen erfahrungsgemäß alle Beteiligten alle zur Verfügung stehenden Mittel. Warum ist das bei Arbeitnehmern so schlimm? Dass es in dieser Situation unvernünftig sein könnte, sehe ich auch, aber wo ist denn zur Zeit die Vernunft? Und wer hat sich denn die Mühe gemacht und das Ganze schon mal durchgerechnet? Schließlich gibt es Leute, die sagen, dass da andere Einkommensquellen sind und dass das große Gejammer zum verhandeln gehört.
Marc auch ich kann Dir da nur 100% zustimmen!