In Umfragen spricht sich immer noch eine Mehrheit der US-Bürger für die Todesstrafe aus. Was ich dabei vielleicht am störendsten finde, ist die Tatsache, dass man es offensichtlich zwar in Ordnung findet, einen Menschen staatlich sanktioniert umzubringen – dann aber nicht den Mumm aufbringt, jemanden vernünftig als Henker einzustellen. Stattdessen wird immer mehr versucht, niemandem diese Verantwortung aufzubürden.
Aktuelles Beispiel: In Utah dürfen Todeskandidaten die Art ihrer Hinrichtung wählen. Zwei verurteilte Mörder haben sich diesmal für ein Erschießungskommando entschieden. Und das Prozedere ist wirklich lächerlich …
- Der zu Exekutierende darf nicht einmal stehen, sondern wird auf einem Stuhl erschossen.
- Eine Zielscheibe wird vorher auf seine Brust gepinnt (wie schlecht sollen die Leute auf 30 Fuß denn schießen können?).
- Die fünf Schützen kennen sich nicht, und schießen jeder aus einem kleinen abgetrennten Kabuff durch eine Schießscharte.
- Anschließend darüber sprechen dürfen sie auch nicht.
- Außerdem enthält eines der fünf Gewehre zufällig ausgewählt eine Platzpatrone, damit sich jeder der Schützen hinterher einreden kann, er habe ja vielleicht gar niemanden umgebracht.
Irgendwie hatte das bei Mata Hari mehr Stil …

Hinrichtungsprozederes haben – vom ernsten Hintergrund mal abgesehen – immer etwas lächerliches. Ich habe darüber sogar mal ein Seminar belegt – wirklich hochinteressant 😉
Und das Problem, niemanden die Verantwortung tragen zu lassen, ist ebenso alt wie die Hinrichtung selbst. Die vermutlich erste Todesstrafe war ja auch die Verbannung (aus der Gemeinschaft), zu einer Zeit, als ein einzelner Mensch praktisch keine Überlebenschance hatte. Auch da ist es dann „eigentlich keiner gewesen“. Steinigungen und ähnliche Kollektivstrafen waren die Weiterentwicklung, bei denen sich dann auch jeder einreden konntem, sein Stein sei es sicher nicht gewesen…
Aber zumindest gab es doch zwischendurch einmal den Berufsstand des Henkers – bliebe also die Frage, warum diese „ehrliche“ Variante wieder in Vergessenheit geraten ist.
War kein besonders beliebter Beruf – von anderen gemieden und gefürchtet und so weiter. Leben konnte man aber wohl gut davon … 😉
Das war auch eine höchst unzuverlässige Hinrichtungsmethode – denn wer hält dabei schon still? Ost wurden die armen Henkersknechte, die den Verurteilten festhalten mussten, dabei in Mitleidenbschaft gezogen … !
Derartige Zwischenfälle waren ein Grund für die Einführung der Guillotine…
Tja, ich weiß auch nicht; war da nicht was in „Ein Lied von Eis und Feuer“? Wenn man jmd verurteilt, dann soll man es gefälligt auch selber machen… …andererseits wäre mit dem Schwert Köpfen auch nicht so richtig „modern“… 😉